No Boreout!

Was ist ein Boreout und woher kommt er?

 

Ein Boreout ("ausgelangweilt") fällt - genau, wie sein "Bruder", der Burnout - nicht plötzlich vom Himmel, sondern entsteht über einen längeren Zeitraum. Er beginnt zunächst mit (quantitativer oder qualitativer) Unterforderung. Bleibt diese über einen längeren Zeitraum bestehen, führt sie zu Langeweile und zunehmendem Desinteresse an den eigenen Aufgaben. 

Dass diese durch Ablenkungs- oder Verschleierungstaktiken vertuscht werden, verstärkt die Problematik weiter und führt zu Lustlosigkeit, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen und zunehmendem Stress. Innere Unruhe, Konzentrations- und Schlafstörungen belasten und schüren nagende Selbstzweifel

Zu Beginn werden die Symptome oft einfach beiseite geschoben und als "Phase" abgetan. Vergeht diese Phase jedoch nicht, sinkt das Energieniveau der betroffenen Person immer weiter ab. Die Energie, die für eine Veränderung benötigt würde, steht immer weniger zur Verfügung. Die Selbstzweifel nehmen zu, das Selbstwertgefühl ab.

Eine Erschöpfungsdepression droht. 

Häufige Begleiter eines Boreouts sind deshalb typische Stresssymptome, wie Kopf- und Rückenschmerzen, Tinnitus, Verspannungen, Magen-Darmbeschwerden, Schwindel und eine generelle Anfälligkeit für Infekte.

 

Doch nicht jeder, dessen Aufgaben repetitiv sind, ist auch Boreout gefährdet:

Ausschlaggebend bei der Entstehung eines Boreout sind nicht nur die Arbeit selbst, deren Ausmass an Monotonie und Routine, sondern das individuelle Anspruchsniveau und die persönlichen Denkmuster der Betroffenen. 

 

Deshalb kann Boreout alle Führungsebenen treffen und macht auch vor Managern nicht Halt.

Der Begriff "Boreout" hat sich mittlerweile in der Arbeitswelt etabliert, denn er hat für Arbeitgeber jährlich enorme Kostenfolgen (gemäss einer Gallup-Studie betragen die geschätzten Kosten für die deutsche Wirtschaft jährlich ca. 250 Milliarden Euro!).

 

Was Boreout für Arbeitgeber bedeutet:

Boreout ist ein mittlerweile häufiges Phänomen, das Arbeitgeber nicht nur viel Geld kostet, sondern auch ihrem Image nachhaltig schaden und letztlich sogar ihren Unternehmenserfolg ernsthaft bedrohen kann.

 

Menschen, die in einen Boreout schlittern, sind sich dessen oft gar nicht bewusst. Sie werden zunächst gelangweilt, unmotiviert und träge. Sie beginnen, "Dienst nach Vorschrift" zu machen, Aufgaben langsamer und unsorgfältiger zu erledigen, Kunden weniger zuvorkommend und lösungsorientiert zu betreuen, so dass diese schlimmstenfalls sogar abwandern. Manche kommen morgens etwas später, dafür gehen sie abends früher. Das sind die, die es Ihnen leichter machen, zu erkennen, dass etwas nicht mehr stimmt!

 

Die anderen bleiben Abends sogar länger und mimen "die Ausgelasteten". In Wirklichkeit erledigen sie private Dinge oder surfen im Internet! So stellen sie sicher, dass 1. Ihre Stelle nicht etwa abgebaut wird und 2. dass sie nicht noch mehr der langweiligen Aufgaben aufgebrummt bekommen.

Dass diese Mitarbeiter nicht diejenigen sind, von denen Sie innovative Lösungen zu erwarten haben, liegt auf der Hand.

 

Übrigens können diese Mitarbeiter sogar tatsächlich überlastet sein: mit Aufgaben, die sich zwar auf ihrem Tisch türmen, die aber todlangweilig sind und in keiner Weise fordern oder Spass machen (ja: Spass ist der beste Leistungsbooster!). Solche Aufgaben werden dann oft vor sich her geschoben. Bis sie sich noch mehr türmen und die Person kaum mehr die Energie aufbringt, sie anzupacken.

 

Natürlich nehmen auch Fehlzeiten zu. Besonders beliebt sind zu Beginn die "Klassiker" Freitag und Montag. Später dann werden Boreout-Betroffene richtig und ernst zu nehmend krank: sie können - wie bei einem Burnout - über Monate hinweg nicht mehr arbeitsfähig sein, wenn ihr Körper den Dienst in einer Erschöpfungsdepression verweigert, die im schlimmsten Fall sogar mit Suizidalität einher gehen kann.

 

Einen beginnenden Boreout schulterzuckend mit "ist bloss eine Phase" abzutun, ist also keine gute Idee. Weder für Sie als Arbeitgeber noch für Betroffene. 

 

 

Was Arbeitgeber tun können:

Sehr viel! Am besten noch bevor der "Boreout-Virus" in Ihrer Unternehmung um sich greift!

 

Eine glasklare, authentische Arbeitgeber-Positionierung

Das beginnt mit den Werten Ihrer Unternehmung: was ist Ihnen wichtig? Wie soll Ihre Unternehmung wahrgenommen werden? Wie soll über sie gesprochen werden? Innovation? Ehrlichkeit? Umweltschutz? ...

Und handeln Sie selbst auch wirklich so, wie sie es nach aussen darstellen (ja, auch - und vor allem! - Sie als Geschäftsleitung!)?

 

Kommunikation

Welchen Beitrag leistet Ihre Unternehmung? Wissen Ihre Mitarbeiter davon? Kennen Sie den Sinn dessen, was sie da täglich tun? Sind sie umfassend informiert und werden ihre Wahrnehmungen und Vorschläge gehört ernst genommen?

 

Rekrutierung und Selektion

Überlegen Sie sich, BEVOR Sie rekrutieren, welche Menschen nicht nur aufgrund ihrer Fachkompetenz sondern auch aufgrund ihrer Werte, Vorlieben und Bedürfnisse am besten zu ihrer Unternehmung passen. 

Dass Sie dann nicht die Harvard-Absolventin für die Stelle in der Telefonzentrale suchen (Ausnahmen bestätigen die Regel...), dürfte verständlich geworden sein, da Sie ja nun wissen, warum ein Boreout entstehen kann.

 

Anstellungsbedingungen

Flexible Arbeitszeitmodelle, die Möglichkeit zum Jobsharing und zur Teilzeitarbeit, Homeoffice etc. ermöglichen es Ihren Mitarbeitenden, einen anspruchsvollen Job mit ihrem Familienleben zu vereinbaren. Eine menschenwürdige Entlöhnung sollte nicht extra erwähnt werden müssen...

 

Personalplanung

Eine saubere und vorausschauende Planung und Budgetierung von Personalbedarf, Einsatz, Kosten, Entwicklung, Nachfolge, Beschaffung etc. und - jawoll! - auch die Berücksichtigung von "Reserven" und "Worst Case Szenarien" verhindert, dass Menschen wegen Leer- und Wartezeiten "Däumchen drehen" oder immer wieder kurzfristig Aufgaben übernehmen müssen, für die sie gar nicht qualifiziert sind.

 

Führung

Ob Ihre Angestellten sich motiviert für ihre Unternehmung einsetzen und mit Ihr identifizieren oder ob sie sie heimlich sogar boykottieren, steht und fällt mit der Kompetenz, dem Auftreten und Verhalten Ihrer Führungskräfte. Vorbildfunktion, Klarheit, Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Authentizität und Überzeugungskraft sind dabei nur einige Stichworte.

 

Mitarbeiterbetreuung und Betriebliches Gesundheitsmanagement

HR Fachpersonen sind nicht nur in administrativen Belangen ausgebildet, sondern auch darin, Sie bei der Führung und Betreuung Ihrer Angestellten zu unterstützen. Sie können Sie kompetent beraten und begleiten und werden Sie auch ebenso gern bei der Durchführung jährlicher Mitarbeitergespräche unterstützen, wie z.B. beim Aufbau eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Zu Letzterem gehört nicht nur die Prävention von Unfall und Krankheit (auch Boreout!) sondern die wertschätzende, einfühlsame Begleitung im Fall der Fälle (Case Management).

 

Personalentwicklung

Menschen brauchen sowohl Verbundenheit als auch die Möglichkeit zu Wachstum und Entwicklung. Wenn sich Ihre Mitarbeitenden bei Ihnen nicht weiter entwickeln können, so werden sie es bei der Konkurrenz tun!

Vielleicht ist es also sinnvoll, ihren Mitarbeitenden rechtzeitig gut zuzuhören...

 

Der Erfolg Ihrer Unternehmung steht und fällt mit den Menschen, die dafür arbeiten! Es lohnt sich, Sorge zu ihnen zu tragen.

 

Übrigens: Dass bei der Prävention von Boreout auch Burnout vorgebeugt wird, Fehlzeiten, Fehlrekrutierungen, Kunden- und Mitarbeiterunzufriedenheit, negative Auswirkungen auf's Firmenimage und aus all dem entstehende Folge-Kosten reduziert werden, leuchtet ein, oder?

 

Das Handbuch für "boreoutfreie" Personalführung

Wenn für Sie Arbeitgeberimage, Mitarbeitermotivation und wertschätzende Führung nicht nur leere Marketing-Worthülsen sind, liefert Ihnen dieses Handbuch, Nachschlagewerk und Lehrbuch für HR Fachpersonen, die sich auf die eidg. Berufsprüfung vorbereiten, wertvolle Dienste:

 

2015, Dicad Verlag, Hölstein

 

261 Seiten, Softcover

CHF 35.90

ISBN 978-3-906826-00-4

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