Hier! Hier sind wir! Wir sind die Besten!

 

Moderne Personaler sind im Jagdfieber.

 

Denn gute Fachkräfte sind rar.

Um die begehrte Spezies zu ergattern, übertrumpfen sich Unternehmen (nicht nur) im Netz mit immer ausgefalleneren Ideen, um ein Fitzelchen der umkämpften Aufmerksamkeit ihrer Zielgruppe zu erhaschen. Da macht man sogar Personalmarketing über Whatsapp und freut sich über Apps, die mit 1-Sekunden-Videos der potentiellen Beute eine Message à la "Bewirb Dich hier! Jetzt sofort!" subtil ins Unbewusste hämmern sollen.

 

Im Rausch, den vielversprechendsten aller vielversprechenden Kandidaten keinesfalls verpassen zu dürfen, wird auf allen verfügbaren Medien gezappelt (bewegte Bilder erregen Aufmerksamkeit) und grellbunt Augen und Ohren betäubend gebrüllt

 

"Hier sind wir! Wir sind die Besten!"


 

Hat sich dann ein Mensch von den honigsüssen Verlockungen des kreischenden Balzgesangs zu einer Bewerbung verführen lassen, wird er oft flugs als Bewerber-Nummer XXX katalogisiert und möglichst vollautomatisch weiterverarbeitet. Leblose Daten werden mit standardisierten Vorgaben zu idealperfekten Anforderungen (schliesslich ist nur das Beste gut genug...) abgeglichen.

Elektronisch. Innovativ. Effizient.


Und der Mensch, der auf der Suche nach einer sinnvollen Tätigkeit ist, die ihn fordert, fördert und erfüllt?

Einer Arbeit, deren Honorierung Respekt und Achtung spiegelt? In einem Betrieb, in dem er sich wohl fühlt?

 

Mensch?!

 

(Potentielle) Mitarbeiter werden heute oft nur noch als Ressourcen und Kostenfaktoren angesehen, die funktionieren, plan- und managebar sein und bei möglichst geringem Input möglichst hohen Output erwirtschaften sollen.



Dass Menschen nicht (Nein! Wirklich nicht! Auch nicht mit den tollsten Evaluationsprogrammen!) "artgerecht" zu schubladisieren sind, passt nicht ins modern innovative Bild.

Und natürlich lebt es sich auf dem Höhepunkt der Hire-and-Fire-Ära sicherer, wenn an einer Fehlrekrutierung das elektronische Selektionsprogramm schuld ist ...

 

Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: ich habe nichts gegen elektronische Arbeitsmittel!

Ich bin sogar sehr dankbar dafür, dass sie es mir ermöglichen, die Übersicht im Datenwald zu halten und dass mir dank der effizienteren Administration mehr Zeit bleibt für die Aufgaben, wegen denen ich meinen HR-Beruf liebe: 

 

Der Kontakt mit Menschen.

Mit echten Menschen.

Ein Gespräch.

Ein echtes Gespräch.

 

Oder zwei davon.

Und mit genügend Zeit, sich kennen zu lernen und gemeinsam herauszufinden,

  • ob unsere Werte zueinander passen
  • ob der Mensch mit den anderen Menschen im Team arbeiten kann und will
  • ob vielleicht sogar gerade in der unkonventionellen Laufbahn (ups - fehlt da etwa ein Zertifikat?), dem Überwinden der erlebten Hindernisse und der daran gewachsenen Persönlichkeit eine einzigartige Chance und Stärke liegt?
  • ob sich Mensch und Unternehmung gemeinsam auf eine Weise entwickeln können, die auch bei den Kunden (zur Erinnerung: das sind die, die das Geld bringen...) einen bleibenden Eindruck hinterlässt, so dass sie gerne wieder kommen. Und wieder und wieder. Und weiterempfehlen.

Ich habe nur etwas dagegen, wenn Arbeitsmittel anfangen, Menschen zu ersetzen, wo sie nicht ersetzt werden können: Das sichere Gespür dafür (nein - keine Garantie!), das Sie bekommen, wenn Sie auf Augenhöhe mit echten Menschen in echtem Kontakt sind und echtes Interesse daran haben, wer sie sind, was sie antreibt, welche Ziele, Bedürfnisse und Sorgen sie haben, ist durch kein noch so innovatives digitales Tool zu ersetzen.

Sicherheiten gibt es ohnehin keine, denn Menschen können sich ändern. Oder wissen Sie, was in Ihrem Leben noch passieren wird und wie Sie darauf reagieren werden?

Der Mut zum ehrlichen Kontakt, zum Vertrauen in eigene Kompetenz und Erfahrung (übrigens auch die Investition in eine fundierte Ausbildung, die entsprechende Kompetenzen vermittelt...) lohnt sich.

Denn die Beziehungen, die dabei entstehen, sind mehr wert als pures Gold.

 

Beziehung entscheidet über Erfolg.

 

Das Committment, die echte Loyalität, Innovation, Freude und Arbeitsqualität motivierter Mitarbeiter hält nicht nur teure Fehlzeiten und Fluktuation tief, sondern führt vor allem zu zufriedenen und treuen Kunden. 


Übrigens:

Echtes Personalmarketing auf Augenhöhe geht sogar leise. Ohne Tricks, lautes Gebrüll und hohle, knallbunte Phrasen.

Denn echtes Personalmarketing basiert auf echten Werten.

Auf Werten, die täglich gelebt werden.

Werte, wie Menschlichkeit, Respekt, Vertrauen, Freude am gemeinsamen Ziel und am Mehrwert, den jeder einzelne schafft.




Weil begeisterte Mitarbeiter Ihre Kunden begeistern.

Weil begeisterte Kunden Sie begeistern.



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Kommentare: 1
  • #1

    Elke (Lilli) (Montag, 23 November 2015 22:00)

    Ich bin dankbar, dass Du es so prägnant und mit Leichtigkeit aussprichst. Wenn es doch nur endlich mehr Entscheider einsehen würden. Ein gelungener Artikel der in die Welt muss, aus diesem Grunde habe ihn auf mehreren Socialmedia-Kanälen geteilt:-) Herzlichst Elke Dola (Lilli)