Das Glück erkennen

 

 

 Vor einigen Tagen hatte ich eine Begegnung, die mich so berührt hat, dass ich davon erzählen möchte.

Sie handelt von einem Menschen, der auf der Sonnenseite des Lebens wohlbehütet und versorgt mit allem, was er brauchte, aufgewachsen ist.

Sein Leben verlief in geordneten Bahnen. Ganz "normal" eben.

Bis er seinen Job verlor.

Und dann alles andere.

Alles, was ihm wichtig gewesen war, war plötzlich weg: die erfüllende Aufgabe, das wunderschöne Einfamilienhaus und dann - gerade, als es aussah, als könnte er wieder Fuss fassen! -: seine Gesundheit! Unwiederbringlich, denn seine Krankheit ist nicht heilbar.


Er fiel in ein tiefes Loch aus bleierner Hoffnungslosigkeit.


Irgendwann überwand er seine Bedenken legte sich einen kleinen Hund zu.

Der junge, lebensfrohe Mischlingshund ist ihm treuer Freund und Gefährte. Er zwingt ihn, jeden Tag wieder aufzustehen - auch dann, wenn sein Körper eigentlich nicht will.

Wenn er mit seinem vierbeinigen Freund nach draussen geht, trifft er Menschen, die ihm zeigen, worum es im Leben wirklich geht.

Tränen der Rührung stehen in seinen Augen, als er mir von dem kleinen Mädchen im Rollstuhl erzählt, das immer so glücklich ist, wenn sein Hund auf ihrem Schoss liegt.

Eine tiefe Freundschaft hat sich entwickelt und die Kleine geniesst die Aufmerksamkeit und Lebensfreude des kleinen frechen Hundes unbeschwert.


Auch die Lebensgeschichten der älteren Damen, die hinter ihren Fenstern warten, bis sie ihn mit seinem Hund im Park sehen und sich dann zu ihm gesellen, berühren sein Herz.


Als er - dessen Geld nicht einmal für Hundefutter reicht - sagt, dass er, wenn er die Wahl zwischen CHF 1'000.- und den Begegnungen mit diesen Menschen hätte, um nichts in der Welt das Geld nehmen würde, hat er Tränen echter Dankbarkeit in den Augen.


Nachdenklich sagt er - mehr zu sich selbst als zu mir:


" Ohne die Krankheit würde ich auch heute noch an diesen Menschen einfach vorbei gehen.

Ich hätte keine Zeit.

Keine Zeit, das Glück zu erkennen."


Er sieht mich an und seine Augen leuchten, wie ich es noch nie zuvor bei jemandem gesehen habe.


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